Brandungsangeln
Brandungsangeln ist das Angeln mit schwerem Geschirr an den Stränden oder Kaimauern der Nord- und Ostsee.
Zielfisch
Beim Brandungsangeln angelt man primär auf Dorsch und Scholle. Aber auch Wittlinge, Aale und vereinzelte Aalmuttern werden gefangen.
Angelzeit
Die optimale Angelzeit geht von September bis April. Die Dorsche ziehen bei wärmeren Temperaturen in tiefere Gewässer, sodass man sie vom Ufer aus nicht mehr beangeln kann. Hinzu kommt, dass sich ab Mai die Strände langsam mit Touristen füllen und das Brandungsangeln unmöglich machen. Die besten Fangergebnisse erzielt man nach dem Einbruch der Dunkelheit bis nach Mitternacht, weil der Dorsch erst mit Beginn der Dämmerung zur Futtersuche in die Nähe des Ufers kommt.
Angelausrüstung
Beim Brandungsangeln benötigen wir schwere Brandungsruten mit Längen von 3,90 m bis 4,50 m. Das maximale Wurfgewicht der Ruten sollte 250 g betragen. Als Rollen kommen salzwasserfeste Brandungsrollen mit Schnurkapazitäten bis zu 300 m und mehr zum Einsatz.
Weniger entscheidend ist die Wahl der richtigen Schnur. Einige Angler bevorzugen monofile Schnüre ab einer Stärke von 0,30 mm. Hier ist der Einsatz von vorgeschalteten Schlagschnüren (0,50 - 0,60) empfehlenswert, weil man so die Gefahr des Abreißens des Vorfachs aufgrund der großen Kraftaufwands beim Auswerfen minimiert. Andere Angler bevorzugen die geflochtene und damit festere Schnurvariante. Sie birgt aber die Gefahr, sich beim Auswerfen als Anfänger in die Fingerkuppe zu schneiden. Auch der Verschleiß ist beim Scheuern über die am Meeresgrund befindlichen Steine und Muscheln höher als bei der monofilen Ausführung.
Vorfächer und Haken hält der Handel in unterschiedlichsten Ausführungen bereit. So gibt es Dorsch- und Buttsysteme, die sich beispielsweise in der Art des Hakens unterscheiden. Ebenso gibt es Ein- oder Zweihakensysteme, mit oder ohne Weitwurfclip.
Als Bißanzeiger kommen in aller Regel Knicklichter an der Rutenspitze zum Einsatz. Zur Befestigung gibt es im Handel entsprechende Knicklichthalter. Klingeln oder Glocken eignen sich nicht so gut, weil man diese häufig wegen der Brandung und des starken Windes gar nicht hört.
Damit man seine Angeln samt Rollen stabil aufstellen kann, benötigt man kräftige Rutenhalter. Als Neuling und zum Ausprobieren kann man einzelne Rutenhalter zum Einstecken in den Sand verwenden. Diese funktionieren jedoch nur im Strandsand. Ist der Untergrund steinig kommt man um ein Dreibein nicht herum. Bei diesem Rutehnalter kann man in aller Regel 2 Ruten unabhängig von der Beschaffenheit des Untergrunds nebeneinander sicher aufstellen.
Köder
Der am häufigsten eingesetzte Köder ist der Wattwurm. Der Fachhandel hält ihn in ausreichender Zahl bereit. In der jüngeren Vergangenheit kommt es aber immer wieder zu Lieferengpässen. Daher ist die Vorbestellung beim Händler empfehlenswert. Aber auch der Seeringelwurm als Köder erfreut sich beim Brandungsangler großer Beliebtheit. Für das richtige Aufziehen des Wurms auf den Haken gibt es eine Ködernadel. Erfahrene Angler schaffen es auch ohne dieses Hilfsmittel. Einige Angler setzen zusätzlich Muschelfleisch oder Heringsfetzen als Dorschköder ein.
Angelpraxis
Beste Fangergebnisse erzielt man bei auflandigem Wind, weil das Futter der Dorsche (und damit auch die Dorsche selbst) weiter unter Land kommen, als es bei ablandigem Wind der Fall ist. Als grundsätzliche Regel gilt: Wer viel fangen will, muss auch weit werfen können. Weiten von 100 m und mehr sind hier erforderlich. Die erreicht man aber nur, wenn man über genügend Wurfpraxis verfügt und wenn die Rute von guter Qualität ist. Als Anfänger oder mit billigen Ruten und Rollen erreicht man oftmals nur Weiten von 60 m, die dann nicht ausreichend sind.
Die erforderliche Weite unterschiedet sich aber auch nach Beschaffenheit des Strandes, an dem man angelt. Die Strände an der Ostsee sind meist so beschaffen, dass sich Gräben und Sandbänke unter Wasser abwechseln. In den Gräben findet man eher die Dorsche, auf den Sandbänken liegen häufig die Schollen. Will man nun einen Dorsch angeln, gilt es einen Graben mit seiner Montage zu treffen.
Wer den Strand nicht kennt, kann einen Graben mit den Dorschen auch überwerfen, sodass man an seinen Zielfisch vielleicht gar nicht herankommt. Dafür erhält man dann vielleicht eine Scholle, weil man mit seinem Köder auf einer Sandbank gelandet ist. Um die Gegenheit des Standes kennenzulernen kann man entweder erfahrene Brandungsangler befragen oder sich einen Angelführer-Heft in einem regionalen Angelladen besorgen. Diese gibt es für einige Strandabschnitte in Schleswig-Holstein, besonders für Fehmarn.
Zusatzausrüstung
Beim Brandungsangeln benötigt man umfangreiches Zubehör, das man zum Angeln mitführen sollte. Das beginnt wegen der winterlichen bedingten Temperaturen und der am Meer üblichen starken Winde mit einer vernünftigen Wärmeschutz- und Nässebekleidung. Einen starken Angelschirm oder Beach Shelter sollte man ebenso mitführen, um sich vor Wind und Wetter schützend hinsetzen zu können. Eine starke Campinglampe versorgt das Angellager mit dem nötigen Licht. Auch ein Stuhl oder eine Sitzkiepe darf nicht fehlen. Wenn man diese umfangreiche Ausrüstung zusätzlich zu seinen Angelgeräten noch transportieren will und nicht unbedingt mehrfach die Strecke zwischen Angelplatz und Auto zurücklegen will, empfiehlt sich der Einsatz eines Beach-Rollies.
Rechtliches
Für das Brandungsangeln in Schleswig-Holstein benötigt man nur einen gültigen Jahresfischereischein. Der Kauf eines zusätzlichen Erlaubnisscheins ist für die Küste, bis auf den Bereich Brodtener Ufer zwischen Travemünde und Niendorf, nicht erforderlich. Nicht so in Mecklenburg-Vorpommern, dort kommt man um eine zusätzliche Angelerlaubnis für die Küste nicht herum.
Verfasser dieses Textes: Jörn Brede
