Spinnangeln in der Brandung mit Einzelhaken
Noch vor ein paar Jahren dachten die meisten Angler beim Thema Spinnfischen an Süßwasser. Das hat sich mit Strippern, Tobis und Spökets sehr geändert. Nicht zuletzt verdanken wir die Verfeinerung dieser Technik den Ideen der dänischen und schwedischen Bastler. Natürlich hat Spinnfischen in der Brandung seine Grenzen. Spätestens wenn der Blinker durch die Wucht der Wellen nicht mehr kontrolliert werden kann. Wir warten also auf Windstärken unter 12 Knoten und ruhiges Wasser. Bei diesen Bedingungen kann man das ganze Jahr über in der Brandung nach Dorschen, Meerforellen und Hornhechten suchen. Sehr gute Aussichten bestehen in der Dämmerung, morgens und abends. Gute Stellen erkennt man am gefleckten Leopardengrund. Unter Wasser wechseln sich dort heller Sand und dunkel bewachsene Steine ab.
Spinnfischen ist etwas für aktive, umherziehende Angler, die längere Strandabschnitte abfischen. Stundenlang werfen sie den Blinker zum Horizont, deshalb müssen Rute und Rolle so leicht wie möglich sein. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß man zum Spinnfischen eine Wathose benötigt. Viele Küstenabschnitte werden schnell tief, ein paar feste Schuhe reichen dort aus. Eine Wathose lohnt nur, wenn man damit auch ein Stück ins Meer laufen kann, vielleicht bis zur nächsten Sandbank. Doch sehr oft sind die Fische unmittelbar vor unseren Füßen. Die Ruten-Rollen-Schnurfrage soll nicht mein Thema sein, ich habe mich genauer mit Küstenwobblern und Blinkern beschäftigt. Welche man wo am besten einsetzt, welche Eigenschaften sie haben und wie man die doofen Drillinge ersetzten kann.
Warum Spinnfischen mit Einzelhaken?
Schon mehrere Jahre lang tausche ich Drillinge am Blinker sofort nach Kauf gegen Einzelhaken aus. Das hat zwei wichtige Vorteile:
- Es gibt so gut wie keine Hänger mehr. Unbekümmert kann man in unbekannten Gefilden den Grund erkunden, ein Einzelhaken läßt sich gut aus den Wasserpflanzen entfernen und bleibt nur ganz selten mal hängen. Er läßt sich mit fester Bremse und ein paar langsamen! Rückwärtsschritten sehr gut lösen.
- Untermaßige Fische können schonender zurück ins Wasser. Ehe man einem kleinen Dorsch den Drilling aus dem Maul gepopelt hat, ist er schon gestorben.
Es scheint nur so, als ob dadurch mehr Fische verloren gehen würden. Beim Brandungsangeln verwendet man auch Einzelhaken und fängt große Dorsche. Meerforellen werden sehr oft mit winzigen Fliegenhaken gelandet, warum sollte das beim Spinnfischen anders sein? Gebt mir einen Grund für den Drilling. Den benötigt nur der Handel, er steigert das Bruttosozialprodukt.
Der Einzelhaken
Die Einzelhaken müssen ein Öhr haben und dürfen nicht zu lang sein. Sehr gern verwendete ich die Meereshaken von Gamakatsu in Größe 2/0. Oder tüddel eine gebundene Fliege am Blinker an. Die Fliege darf dann keine Augen oder Beschwerungen haben, sonst verändert sich der Blinkerlauf. Sie sollte spärlich gebunden sein, sonst kostet sie Wurfweite. Ich schrieb absichtlich verwendete, denn nun habe ich noch etwas besseres gefunden: Circle Hooks.
Circle Hooks

- Circle Hook
Circle Hooks, die selbsthakenden Wunderhaken. Das erste Erlebnis hatte ich damit vor 2 Jahren auf der Seebrücke beim Heringsangeln. Die Heringe konnten zappeln wie sie wollten, fast alle kamen mit diesem 5,00 € teuren Paternoster sicher über das Brückengeländer. Das Paternoster ist sein Geld wert. Man kann es unter eine Pose hängen und spart sich so das ermüdende Auf und Ab mit seiner Heringsrute. Die Pose treibt, das Selbsthakprinzip funktioniert bestens.
So richtig zum Spinnfischen entdeckte ich die Circle Hooks erst im vergangenen Herbst und war zuerst skeptisch. Weil sich durch ihre Form schneller Kraut darin verfängt und weil sich diese Haken schneller am Grund festsetzen als ein normaler Einzelhaken. Doch nach den ersten Bissen nahm ich diese kleinen Nachteile gern in Kauf. Die Meerforellen blieben darin hängen und konnten sicher gelandet werden. Antippen reicht aus, sofort sitzt der Circle Hook irgendwo im Maulbereich fest. Die Fische können ihn nicht ausspucken.
Hornhechte sind etwas problematisch, weil sie so einen festen Schnabel haben. Doch hat die Spitze erst gefasst, hängt auch der Hornfisch sicher daran. Meistens war der Circle Hook von oben nach unten durch den unteren Schnabel gehebelt. Beim Einholen schlitzen die Schnäbel etwas auf, trotzdem rutscht der Circle Hook nicht raus. Wenn es beim Spinnangeln so gut funktioniert, warum nicht am Brandungspaternoster? Also probierte ich das aus. Allerdings hatte ich auch mit normalen Haken keine Schwierigkeiten in Punkto Fehlbissen. Doch es könnte ja sein, daß Flundern den dicken Brocken nicht so tief schlucken. Bis jetzt ist mir allerdings noch kein Unterschied aufgefallen. Nur daß die Wattwürmer sich schlechter aufziehen lassen. Sie dürfen nicht zu groß sein. Dafür rutscht nichts in den Hakenbogen, der Watti bleibt wo er ist. Als nächstes versuche ich es beim Aalangeln mit diesen Haken. Die Montagen sind schon umgestellt.
Welcher Haken soll es nun sein? Am liebsten verwende ich den Octopus Circle Hook von Gamakatsu in Größe 2/0. Dieser Haken ist weit nach innen gebogen, stark und hat eine sehr scharfe Spitze. Wenn man den Haken mit der Spitze auf die Tischplatte legt, wird er sich nicht reinpieken. Dazu ist die Spitze zu weit nach innen gebogen. Diese spezielle Form bewegt den Haken immer in die optimale Position, um beim Fisch sicher im Maul zu halten. Wer ihn berührt, bleibt sofort daran hängen. Also passt auf bei den Montagen, an keiner anderen Hakenform habe ich mir so viele Kratzer zugezogen.
Verfasser dieses Textes: Rosi
