Brauchen wir ein neues Meerforellen-Management?

22.01.2011 - Verfasser: Jörn Brede

Salmonidentagung zur Meerforelle
Salmonidentagung zur Meerforelle

„Brauchen wir ein neues Meerforellen-Management?“ Mit dieser Frage eröffnete Vizepräsident Rüdiger Neukamm die Informationsveranstaltung zum Thema Salmoniden. Der LSFV Schleswig-Holstein hatte Angler und Interessierte zu dieser Informationsveranstaltung und Podiumsdiskussion am 21.01.2011 um 19 Uhr in das Haus des Sports in Kiel eingeladen. Knapp 100 Meerforellen-Interessierte waren der Einladung gefolgt, der Saal war gut gefüllt. Den Anglern gegenüber saßen auf dem Podium erfahrene Fachleute aus den verschiedenen Bereichen des Angelns und der Naturschutzes. Nach dem Präsidenten des LSFV Peter Heldt war der Berufsfischer Olaf Jensen eingeladen worden, der die Elbe, die Schlei und die Ostsee im Haupterwerb befischt. Neben ihm hatte Martin Momme von der Obersten Fischereibehörde seinen Platz eingenommen. Ebenfalls anwesend waren Hartwig Hahn (LSFV-Referent für Gewässer), Albrecht Hahn (Fischereimeister aus Alt-Mühlendorf) und Volker Hahn (Hegegemeinschaft Trave).

Nach der Begrüßung der Teilnehmer und des Podiums durch Moderator Rüdiger Neukamm stellte dieser zunächst kurz den Ablauf der Veranstaltung dar. Danach wurden alle mit einem kleinen Film auf das Thema eingestimmt. Dabei wurde gezeigt, wie Hartwig Hahn und seine Helfer beispielsweise in der Stör, der Schwale oder der Bünzau mit dem E-Fisch-Gerät auf Laichfischfang gehen. LSFV-Pressesprecher Michael Kuhr hatte den Film im letzten Jahr produziert.

Als nächstes führte LSFV-Präsident Peter Heldt in die Veranstaltung ein. Er erklärte, dass man im Spätsommer 2010 den Entschluss zu dieser Veranstaltung gefasste hatte, weil die letzte derartige Veranstaltung noch aus 2008 datierte und man nun aktuellere Informationen benötigte. Er freute sich darüber, dass zahlreiche Angelvereine im Land im Lachs- und Meerforellenschutz engagiert mitarbeiten. Bereits in den 60er und 70er Jahren hatten die Angelvereine mit ihrer Arbeit begonnen. Damals natürlich noch ohne finanzielle Unterstützung aus der Fischereiabgabe, die es zu der Zeit noch nicht gab. Obwohl alle zusammen schon viel für Lachs und Meerforelle erreicht hätten, reiche das natürliche Aufkommen dieser Fischarten immer noch nicht aus. Mehr Laichrückkehrer würden gebraucht. Als mögliche Ursachen für den noch nicht ausreichenden Bestand nannte Peter Heldt u.a. die in den letzten Jahren zugenommene Angelei und das Trolling auf die Meerforelle. Auch die Stellnetzfischerei vor den Küsten bereite zunehmend Probleme.

Peter Heldt ging noch kurz auf die Novellierung des Landesfischereigesetzes (LFischG) ein. Zu den geplanten Änderungen im Gesetz habe Geschäftsführer und Rechtsanwalt Robert Vollborn eine Stellungnahme des Landesverbandes verfasst und an die Kreisverbände übersandt, die sich nun dazu äußern könnten. Bisher liege dem Landesverband nur die Rückmeldung eines Kreisverbands vor. Auch für die aus dem neuen LFischG resultierenden notwendigen Überarbeitungen der Küstenfischereiordnung (KüFO) und der Binnenfischereiordnung (BiFO) habe man erste Überlegungen und Entwürfe in der Vorbereitung. Zur Steigerung und Verbesserung des Informationsflusses habe der Verband alle Angelvereine um eine aktuelle eMail-Adresse gebeten. Von allen Angelvereinen im Land habe bisher nicht ein einziger Verein eine Rückmeldung dazu gegeben. Gründe dafür seien nicht bekannt.

Martin Momme
Martin Momme

Martin Momme von der Obersten Fischereibehörde stellte in seiner Rede zunächst das bisherige Management zur Meerforelle vor. Als wesentliche Säulen nannte er den Besatz, die Förderung aus der Fischereiabgabe, die ehrenamtlichen Helfer, die Beratung und die ökologische Verbesserung der Fließgewässer. So werden z.B. 100.000 Euro jährlich aus der Fischereiabgabe für die Meerforelle bereitgestellt. Dazu gehörte auch die Unterstützung für Einzelmaßnahmen wie die Beschaffung von Elektrofischereigeräten, Fischhältereinrichtungen, Transportanhänger, Boote oder Bruthäuser. Auch die finanzielle Unterstützung der Aufzuchtanstalten oder die anteilige Finanzierung des LSFV-Biologen Martin Purps würde aus diesen Mitteln bezahlt.

Weiter ging Martin Momme auf die fischereirechtlichen Regelungen ein. Die Aufstellung von Hegeplänen, die Heraufsetzung des Mindestmaßes auf 40 cm, die Einrichtung von Schonzeiten (01.10. – 31.12.) oder Fischschonbezirken in Flussmündungen seien schon ein Schritt in die richtige Richtung. Seit 1994 gebe es das Verbot der Stellnetzfischerei innerhalb der 200-Meter-Zone vor den Küsten. Hobbyfischer dürften seit 1994 gar keine Stellnetzfischerei mehr betreiben. Auch die Kormoranvergrämung seien durchaus positiv zu bewerten. Diese würde bisher von Anglern jedoch gar nicht genutzt werden, lediglich die Erwerbsfischer betrieben die Vergrämung dieses Vogels.

Im nächsten Beitrag stellte Volker Hahn von der Hegegemeinschaft Trave seine Arbeit dar. Seit 1985 arbeite er mit seinem Oldesloer Angelverein intensiv für Lachs und Meerforelle. Seit 2002/03 sei er mit der Hegegemeinschaft Trave für den Salmonidenbesatz zuständig. Die Durchgängigkeit und Verbesserungsmaßnahmen an der Trave stehen dabei im Vordergrund. Der Rückbau von Sohlabstürzen zu Sohlgleiten verschlinge eine Menge Geld. Auch bereite die zunehmende Verkrautung in der Obertrave Sorgen. Mit Einzel-Mähaktionen der Oldesloer Angler versuche man derzeit dagegen anzugehen. Als weiteres Problem stellte er die Versandung der Trave dar. Der Sand lege sich auf den angelegten Kiesbetten ab und verwehre damit den Salmoniden den Laichgrund.

Albrecht Hahn von der Fischzucht Alt-Mühlendorf berichtete über den Rückgang der Brütlinge. Gab es in 2007 noch 1.800.000, so waren es in 2010 nur noch 1.100.000. Im weiteren Verlauf ging er auf das Meerforellen-Management ein. Dazu gehörte u.a. auch eine Kontrolle der Abwanderung der Salmoniden. Wie wirkten sich natürliche und künstliche oder fischereirechtliche Hindernisse aus? Auch zum Abwachsen auf See wären umfassende Kenntnisse für ein erfolgreiches Management erforderlich. Desweiteren müssten Laichzeit und Laichwanderung, gerade in Flussmündungsbereichen, in einem erfolgreichen Management entsprechende Berücksichtigung finden.

Berufsfischer Olaf Jensen befischt die Elbe, die Schei und Teile der Ostsee. Zu Beginn seiner Rede wies er darauf hin, dass der größte „Fischer“ in der Elbe das Atomkraftwerk sei. Bei laufendem Betrieb verschlinge es mehrere Tonnen Fisch am Tag. Auch zum künftigen Bau der Kohlekraftwerke seien aus seiner Sicht zuerst katastrophale Konzepte hinsichtlich des Fischschutzes vorgelegt worden. Im zweiten Versuch habe sich zwar einiges verbessert, sei aber noch lange nicht ausreichend. Der Brotfisch in der Ostsee sei nach wie vor der Dorsch. In den Zeiträumen Mai/Juni und September/Oktober komme der Dorsch weit unter Land, in dieser Zeit würden 80 Prozent des jährlichen Ertrags eingefahren. Die Meerforelle, um die es in dieser Tagung ginge, sei nur Beifang. Er sieht eine mögliche Verbesserung des Meerforellenschutzes im Heraufsetzen des Mindestmaßes oder in der Vergrößerung der Maschenweite der Netze. Er bemängelte, dass alle bisherigen Überlegungen auf Annahmen und Vermutungen beruhten und es keine ausreichenden und begründeten Zahlen zu der Problematik gäbe. Auch im Küstenbereich stellte der Kormoran ein zunehmendes Problem dar. Man sollte überlegen die Kormoranvergrämung auf den Küstenbereich auszudehnen.

Nach den Redebeiträgen folgte unter der Moderation des LSFV-Vizepräsidenten Rüdiger Neukamm die Fragestellung aus dem Publikum. Einige stellten ihre persönliche Meinung dar, andere baten das Podium um konkrete Antworten auf ihre Fragen. Von den Verbänden traten der Lübecker, der Kieler und der Dithmarscher Kreisverband mit Fragen an das Podium heran. Alle weiteren Wortmeldungen stammten von einzelnen Anglern aus den Angelvereinen. Aus Lübeck war neben dem Kreisverband der Boots-Angler-Club mit dem Vorsitzenden Andreas Weber und einigen Mitgliedern vertreten. Auch wenn die Fragen aus dem Publikum aus ganz unterschiedlichen Richtungen kamen und aus verschiedenen Motivationen heraus gestellt wurden, gingen sie doch letztlich in eine und dieselbe Richtung. Die Hilfe und Unterstützung zum Erhalt der Meerforelle ist nötig, der Ansatz beim Angler mit der Einführung möglicher zusätzlicher Schonzeiten aber nicht der richtige Weg.

So argumentierten einzelne Angler mit der Begründung, dass bisherige Verbote und Regelungen schon nicht eingehalten werden, weil keine ausreichende Kontrolle erfolge. Mindestmaße würden ignoriert, auf Wochenmärkten bekäme man schließlich untermaßige Meerforellen zum Kauf angeboten. Doch niemand schreite hier ein. Anzeigen würden zumeist im Sande verlaufen. Und wenn überhaupt – dann würden höchstens Ordnungswidrigkeiten verhängt. Warum solle man da noch zusätzliche Verbote schaffen, die dann auch nicht eingehalten und kontrolliert werden könnten?

Aus Sicht des Lübecker Kreisverbands ist die Veranstaltung durchaus positiv zu bewerten. Der Wille und der Weg des Landesverbands seine Mitglieder hier aktiv durch gleichartige Veranstaltungen in den Prozess einzubinden ist lobenswert und sollte auch künftig fortgeführt werden. Ergebnisse waren nicht zu erwarten. Die Veranstaltung diente in erster Linie der Meinungsfindung, wie Präsident Peter Heldt ausführlich betonte. Der Landesverband wollte vor einer möglichen anstehenden Entscheidung im Meerforellenschutz die Meinungen seiner Mitglieder einholen um sie soweit wie möglich zu berücksichtigen.

Die Überlegungen einer möglichen freiwilligen und zusätzlichen Schonzeit für die Meerforelle sind für uns jedoch der falsche Ansatz. Es gibt zu viele ungeklärte Faktoren. Es fehlen verlässliche und aussagekräftige Zahlen über den aktuellen Bestand der Meerforelle in unseren Küstengewässern ebenso wie Zahlen über auf- und absteigende Meerforellen in den Fließgewässern. Auch war aus den Vorträgen deutlich herauszuhören, dass wir in den Fließgewässern über zu wenig Laichhabitate verfügen. Dazu trägt die Verkrautung und Versandung in den Flüssen und Bächen ebenso bei wie die Landwirtschaft. Die Durchgängigkeit und der Zustand der Fließgewässer ist noch nicht in dem Zustand, die ein gesunder Meerforellenbestand erfordert. Hier muss der Rückbau der Sohlabstürze und die Renaturierung der Fließgewässer mit mehr Einsatz vorangetrieben werden. Erst wenn diese elementaren Grundlagen für ein erfolgreiches Ablaichen der Meerforelle und des Lachses geschaffen sind, kann man überlegen wie man mehr Meerforellen schützt und das Aufsteigen in die Flüsse gewährleisten kann.

Einen weiteren Punkt bildet die Stellnetzfischerei vor den Küsten. Bei Einführung einer zusätzlichen Schonzeit wären die Berufsfischer mit ihren Netzen nicht betroffen. Martin Momme von der Obersten Fischereibehörde hat auf der Tagung zugegeben, dass es beispielsweise keinen Sinn macht einen im Netz gefangenen braunen Fisch zurückzusetzen, weil er aufgrund seiner im Netz verlorenen Schuppen keine Überlebensmöglichkeit mehr hat. Eine zusätzliche Schonzeit wäre für Berufsfischer mit ihren Stellnetzen nicht durchsetzbar. Also würden von einer zusätzlichen Schonzeit einzig und allein (mal wieder) die Angler betroffen sein.

Wir sind wie alle Angler der Meinung, dass für Meerforelle und Lachs noch eine Menge getan werden muss. Es kann aber nicht der richtige Weg sein, dass wir Angler den Löwenanteil zu tragen haben oder gar allein mit Beschränkungen und Verboten belegt werden. Berufsfischer und Kraftwerkbetreiber müssen ebenso ihren Teil dazu beitragen wie Land, Städte und Kommunen durch das Schaffen der richtigen Laichvoraussetzungen in den Flüssen und Bächen.

Wir Angler haben uns auch dem Naturschutz verschrieben. Wir bewegen viel und unzählige ehrenamtliche Helfer sind für den Erhalt der heimischen Fischarten und der Natur in Schleswig-Holstein im Einsatz. Diese Arbeit und das Engagement verdient Lob und Anerkennung, keine Frage. Dennoch sind wir in erster Linie Angler, und Angelverbände wie auch Angelvereine müssen ihr Handeln und ihre Interessen daran ausrichten. Der Lübecker Kreisverband der Sportfischer lehnt eine zusätzliche Schonzeit für die Meerforelle ab. Die bisherige Regelung, dass gefärbte Fische zurückgesetzt werden, reicht aus unserer Sicht aus.

 

 

 

 

 

 

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